Warum?

Hass, Gewalt, eiskalter Egoismus – Warum?

Geboren aus dem unsagbar Schönen. Hinein in diese uns anvertraute Welt. Du, ich, jeder von uns. In den Augen von Neugeborenen können wir noch erahnen, was wir selbst nicht mehr sehen: Von Engeln behütete Seelen, die das Paradies verlassen haben, um uns zu besuchen. Die sich uns anvertrauen.

Doch was zeigt ein Blick in die Welt? Kriege aus Machtstreben geboren, Kampf um Rohstoffe. Hass, Mordanschläge und Gewalt in allen Formen. Was bringt Menschen dazu, so zu handeln?

Ein Blick in Kinderaugen heute: Wir begegnen Kindern, deren Augen schon ihren Glanz verloren haben durch das Leid, dass ihnen viel zu früh zugefügt wurde. Kindern in Kriegsgebieten, orientierungslos, früh verwaist und verschreckt. Kindern, die als Soldaten oder billige Arbeitskräfte missbraucht werden; ihrer Kindheit beraubt. Kindern, die für die verirrten Triebe von Erwachsenen herhalten müssen und ihr Leben lang davon gezeichnet sind.

Warum? Wie kommt es, dass Menschen so handeln?

Ein biblisches Bild: Die Vertreibung des Menschen aus dem Paradies; selbstverschuldet. Wir Menschen sind empfänglich für Einflüsterungen. Lassen uns sogar gerne betrügen. Wollen wie Gott sein, doch sind es nicht. Wir schauen in diese Welt wie in einen trüben Spiegel. Sind fehlbar und wissen im Grund fast nichts. Zu Beginn geprägt von unseren Eltern und deren Erfahrungen, später auch vom sozialen Umfeld. So schleppen wir auch viel alten Ballast meist unbewusst mit uns und setzen Fragmente unserer Erkenntnisse zu unserem Weltbild zusammen. Und merken doch irgendwie, dass das Bild brüchig ist. Vor allem dann, wenn wir an die Grenzen unseres Verstehens, an die Grenzen unseres Lebens kommen.

Obwohl das Wissen in der Welt sich mehrt – die Herzensbildung bleibt auf der Strecke. Und auch das wachsende Wissen bleibt bruchstückhaft. Die Welt ist nicht wirklich erklärbar. Unruhig und auch irgendwie verängstigt, verletzt gehen wir durchs Leben. Leben ist schwer, herausfordernd und ganz individuell. Dahinein spielt der große Ablenker, der Konsumwahn. Influencern gleich wollen viele sein, das baut den Selbstwert auf. Manche brauchen große Autos mit viel PS um sich gut zu fühlen. Und dergleichen noch viel mehr. Unser Verstand ist bei der Suche nach Auswegen nicht hilfreich, da schlägt unserer Eigenblindheit zu. Um in diesem Hamsterrad der Illusionen drinnen zu bleiben, betreiben Menschen einen hohen Aufwand. Ablenkung von der inneren Leere durch hemmungslosen Konsum, der auch noch die Umwelt schädigt. Lebensgrundlagen werden zerstört. Nicht zu vergessen ein weiterer mächtiger Ablenker: Die rasende Bilderflut, Serienwahn und Computerspiele. So viel Zeit  für das eigentliche Leben geht verloren.

Gerade in unsicheren und unruhigen Zeiten erstarken radikale Verführer. Sie gaukeln vor, alles zu wissen, den rechten Plan zu haben und mehr. Die Verursacher der Probleme, die kennen sie und werden sie beseitigen. Sogar das Heil versprechen sie. Was für ein Heil ist das? Wesen Heil ist gemeint? Was werden die Verführten dereinst empfinden, wenn sie auf einem der namenlosen Schlachtfelder mit zerfetzten Körper verbluten?

Der Freigeist geht wieder um, der Freigeist der alles Gemeinwesen zerstört. Er ist entfesselter denn je. Dabei haben uns die Wahnsinnstaten von Menschen im 20. Jahrhundert an Grenzen geführt. Das Projekt der Aufklärung, der Befreiung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit hat uns keine Periode der Helligkeit und des ewigen Friedens beschert. Gewalt und Kriege gingen weiter. Sie erreichten neue und wieder neue grausige Höhepunkte. 1939 war der Beginn des nächsten ungeheuerlichen Schlachtens. Der 2. Weltkrieg ist uns eine traurige Mahnung. Wieder zogen Menschen ins Feld. Millionen mussten bezahlen. Mit Gott für Volk und Vaterland. Verglühende Atombomben standen am Ende. Und in den Lagern wurde gemordet. Auch im Abstand von über 80 Jahren unfassbar. Welcher Hass und welche Gewalt möglich waren. Unfassbar auch, dass es wieder losgeht, nach einer verschämten Weile der scheinbaren Ruhe.

Moderne Konzentrationslager für Flüchtlinge werden in Griechenland errichtet. Flüchtlinge, erzeugt vom sogenannten Christlichen Abendland. In Kurzform das Handel dieses Abendlandes: Wurst, Wein und Käse für uns, für den Rest der Welt bestenfalls trockenes Brot. Dieser Lebensstiel wird mit Gewalt, zunehmender Brutalität und um den Preis von zahllosen ertrinkenden Menschen und elendig vor sich hin vegetierenden Menschen in den Lagern verteidigt. In diesen Lagen hausen auch elternlose Kinder. Verzweifeln, begehen sogar Selbstmord. Doch selbst Hilfe für diese notleidenden Kinder wird aus den Schaltzentralen der gnadenlosen Macht verweigert.

Seitdem die Regierung in Athen nun Brüssel und Berlin willfährig ist, sind auch die sog. Uzo-Bonds (Griechische Staatsanleihen) wieder stabil. Der Freigeist in Form der Diktatur des reinen Kapitals hatte in Griechenland schon mal geübt und etliche Menschen in die Verarmung getrieben. Jetzt geht es auch bei uns los: Die Renten sind zu hoch, die müssen gesenkt werden. So tönt es aus dem Selbstbedienungsladen des Parlaments. In Frankreich übte die Regierung schon mal, wie weit prügelnde Horden das Volk stumm machen können; von der sich selbst so nennenden „Qualitätspresse“ hier im Lande fast ignoriert. Interessensgelenkte Presse. Und konkret ist das sähen von Hass auch gerade in Deutschland wieder Salonfähig. Selbst Vertreter des Großkapitals die in die Politik wechseln, haben keine Hemmschwelle mehr, sich mit den braunen Horden zu verbünden und deren Parolen lautstark mitzugrölen. Braune Methoden: Geschichte verdrehen, Fakten verleugnen und Recht beugen; gar besser abschaffen und das eigene aufrichten.

BlackRock, ein prominenter Vertreter des Großkapitals, hat eh schon die Regierungen und Gesetzgeber zu den Gunsten des Großkapitals unterwandert. Demokratie und Menschenrechte stören nur. Großkapital und Nazis, das war schon mal eine unheilige Allianz in Deutschland.

Wie erklärt man Kindern das Morden in Hanau, den Anschlag auf die Synagoge?

Noch stehen etliche Bürger des Landes gegen diesen unheiligen Trend auf, das macht Mut. Laut und Bunt und konkret. Ob das Unheil aufzuhalten ist? Ich weiß es nicht. Es bedarf vieler Menschen, die aufstehen und ihren Teil beitragen. Im letzten großen Weltenbrand, da gab es auch etliche Menschen, die aufstanden und auf ihrem Lebensweg große persönliche Risiken auf sich nahmen. Um Mensch zu bleiben, Mitmenschlichkeit zu leben. Hier nur wenige prominente Beispiele: Schindler, Bonhoeffer, die Mitglieder der weißen Rose, der Kreisauer Kreis. An dieser Stelle nur ein weiteres Beispiel für Mut machende Zivilcourage: Tief in Russland, 1942, ließ Albert Battel die Brücke über einen Fluss sperren, der den einzigen Zugang zu einem Ghetto darstellte. Das anrückende SS-Kommando zog nach Androhung von Waffengewalt durch Battel´s Männer unverrichteter Dinge wieder ab. 500 Menschen jüdischen Glaubens wurden gerettet.

Nochmals: Wir sind geboren aus dem unsagbar Schönen. Wir stehen in unserem Leben. Leben ist schwer, herausfordern und ganz individuell. Das ist anders als die gleichgerichteten Massen der Verführten, da gibt es keine Abweichung mehr, degradiert zu stumpfen Parolen brüllenden Befehlsempfängern. Appelle an das Gewissen gehen fehl, das hatte man schon im Prozess gegen Eichmann in Jerusalem gesehen. Das Gewissen ist keine stabile Instanz. Durch selbst gesetzte und situativ veränderbare Maßstäben stabilisiert es nur den Selbstwert. Wie beruhigen wir unser Gewissen beim Anblick von leidenden Flüchtlingskindern und deren verzweifelten Eltern? Vor kurzem ist in Syrien ein Kind in den Armen seines Vaters gestorben.

Wie geht es weiter?

Im Wissen um unsere Fehlbarkeit, um unsere Verführbarkeit, unseren ganz individuellen Weg finden und gehen. Immer wieder achtsam feinjustierend. Achtsam – keine Allmachtsfantasien entwickeln, nicht resignieren und: Gewalt geht gar nicht! Dem Leben zugewandt, die Welt vielleicht auch wieder mit Kinderaugen sehen. Und mit Konstantin Wecker: „Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“. Wohlwissend, dass Menschen, die ihren Worten, geboren aus ihrem Herzen, auch Taten folgen lassen, mit dem Tod bedroht werden: Der Ratsvorsitzende der EKD (evangelischen Kirche Deutschland) brachte – mit vielen Unterstützern – das sogenannte Rettungsschiff der Kirche auf die Reise. Getreu dem Motto: Wir können doch nicht nur Menschlichkeit predigen, wir müssen auch danach handeln. Auch solches Handeln macht Mut, ist wie ein Leuchtturm in dunklen Zeiten.

Es gilt Aufzustehen, trotz aller Schwierigkeiten und Anfeindungen: „…..trotzdem Ja zum Leben“ sagen. In Anlehnung an Victor E. Frankl, einem jüdischen Psychiater, der Konzentrationslager erlebt und überlebt hatte. Mehr können wir nicht tun, aber das können wir tun! Es unsere Menschenpflicht.

 

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Rüdiger Schaller, 29.02.2020

Autor des Buches "In die Stille"

 

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