Heute ist es nicht mehr viel, was man für Geld nicht kaufen kann. Fast alles steht zum Verkauf. Man kann sich eine Gebärmutter für das geplante Kind kaufen. Für einige Tausend Euro oder US-Dollar sind Frauen in Indien bereit, den Embryo eines fremden Paares auszutragen. Ein Schnäppchen. Es wird zwar über eine bessere Regulierung diskutiert. Aber die Nachfrage ist da und die Gefahr besteht, dass die Leihmutterschaft in den Untergrund abtaucht.

 
 

Manchmal ist der Preis nur eine Verhandlungssache. Wie die Bezahlung für menschliche Versuchskaninchen in Arzneimittelstudien. Je stärker die physische und psychische Belastung ausfällt, desto höher die Bezahlung. Wir organisieren unsere Gesellschaft wie einen einzigen großen Markt.

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 Halt finden in einer Ära der „schlechten Hirten"

Als „Schlafschafe“ werden Menschen bezeichnet, die gegenüber politischen Fehlentwicklungen nicht wachsam sind. Auch sonst stehen die blökenden Weidetiere in keinem hohen Ansehen. Eine kollektivistische Herdenmentalität wird ihnen ebenso unterstellt wie Bravheit und geringe geistige Brillanz. Dennoch bleibt das biblische Gleichnis vom „Guten Hirten“ eine Verheißung. Selbstlosigkeit sowie eine fast grenzenlose Großzügigkeit sind die Merkmale des idealen Schäfers. Leider haben wir es derzeit mit sehr vielen schlechten Hirten zu tun. Sie nehmen das Leben ihrer „Schafe“ und liefern es gnadenlos den Interessen der neoliberalen Profitmaschine aus. Der Autor bietet dagegen eine anziehende Deutung der Schafs- und Hirten-Metaphorik an. Vertrauen, Schutz, Zusammenhalt sind Werte, die unseren „aufgescheuchten Seelen“ (Wie es Dietrich Bonhoeffer ausdrückte) in schwerer Zeit etwas Frieden bringen könnten. Roland Rottenfußer

Rüdiger Schaller: Uns geht es so gut wie nie! So sagen es unsere Regierenden. Und sie sagen, sie stehen zu ihrer Verantwortung, zur Führung zum Wohl der Menschen, die sich ihnen anvertrauen. Wozu benötigen Menschen da überhaupt eine Suche nach Halt und Orientierung? Kein einfaches Thema, deshalb etwas mehr Raum als sonst für die Ausführungen. Vorweg: Es lohnt sich!

In der Erfolgsstory „Games of Thrones“ wird ein sehr akutes Lebensgefühl der steten Unsicherheit ausformuliert: Die Welt wird beherrscht von kaum durchschaubaren Interessen. Das ist keine unbekannte Erfahrung im globalisieren Kapitalismus. Hier kommt kaum einer heil raus – es ist das Ende aller Gewissheiten, der Verhandelbarkeit und damit die Entwertung aller Werte, der Fragilität von Bindungen und Beziehungen. Kurze Siege des momentan Fittesten. Sieg oder stirb.

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Ostern

Die Grenzen der Wissenschaft - und eine Aufforderung, zu handeln

Ostern - das älteste Fest der christlichen Geschichte. Es ist das höchste in der liturgischen Rangordnung. Ostern ist aber in der Gesellschaft bei weitem nicht so populär wie Weihnachten. Das hat damit zu tun, dass jeder weiß, was eine Geburt ist, aber kaum ein Mensch kann sich eine Auferstehung vorstellen.

Selbst das Neue Testament bietet keine Hilfe.

Die Geburt wird anschaulich ausgemalt, doch die Evangelisten schweigen sich über die Auferstehung des toten Gekreuzigten aus. Die Auferstehung wird nicht beschrieben, sondern nur angekündigt oder als vollzogen vermeldet. Faktisch bleibt die Auferstehung unsichtbar. Die Auferstehung bleibt der unveräußerbare Wesenskern des Ostermysteriums. Und das ist gut so, denn alles was wir Menschen denken und sagen, dass bleibt auf der Ebene von Versuchen einer Erklärung. Es bleibt bei Annäherungen an eine schwer verständliche und noch viel schwerer kommunizierbare Wirklichkeit.

Das Ostermysterium - es hat nichts mit Mystizismus zu tun. Mystizismus verschleiert Klares. Es geht bei einem Mysterium um eine Art der Welt- und Selbstwahrnehmung, die noch vor der durch Begriffe geprägten Wahrnehmung kommt.

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Zeitzeichen

Sie werden oft übersehen im Trubel des Alltags. Selbst dann, wenn sie wie ein Wetterleuchten am Horizont zu sehen sind; für Menschen, die sehen können.

Frieden, Weite. Für mich als Asthamtiker, der Angst vor der Triage hat, ein Sehnsuchtsort: Das Meer! Tief aufatmen, frei sein. - Geborgen in der Weite des Seins.

Ein Rückblick; gepaart mit Hoffnung: Frei – endlich frei! Urlaub an der Nordsee. Unendliche Weite umfängt mich. Sanft streicht der Wind über meine Haut. Ich erreiche das Wattenmeer. Es ist Ebbe, das Wasser hat sich weit von Land zurückgezogen. Ich ziehe die Schuhe aus und gehe barfuß ans Ufer. Dort spielen Kinder. Sie ziehen mit Plastikschaufeln Gräben um die Burgen, die sie aus dem Watt aufbauen. Die älteren Kinder wetteifern darum, die größte und höchste Burg zu errichten.

Langsam gehe ich an ihnen vorbei ins Watt und bleibe stehen. Ich lausche der Stille, die mich umgibt. Sie wird nur hin und wieder von dem Schrei einer Möve untermalt. Vom inzwischen fernen Strand sind ab und zu Kinderstimmen zu hören, sie lachen. Allmählich nähert sich die Flut; es ist Zeit, umzukehren.

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Heimkehr

Behutsam wird der Sarg in das dunkle Grab heruntergelassen. Zeit, um Abschied zu nehmen. Abschied von einem geliebten Menschen. Julia ist vor drei Tagen gestorben und wird heute beerdigt. Ich fröstele. Tränen steigen in meine Augen, sie vermischen sich auf den Wangen mit Regentropfen. Der Sarg setzt auf dem Grund des Grabes auf. Die schwarz gekleideten Sargträger legen die Seile, mit denen sie den Sarg hinabgelassen, auf den Boden. Dann ziehen sie ihre Hüte, verbeugen sich vor der Grube und treten nach einem kurzen Augenblick der Stille zurück. Sie geben damit den Blick auf eine andere Ruhestätte, die hinter ihnen liegt, frei. Dort ist in den schwarzen Marmor des Gedenksteins in goldenen Ziffern das Geburts- und Todesdatum gemeißelt: „15.06.1997 – 6.12.1997“. Dieses mir unbekannte Kind hatte nur wenige Monate das Licht der Welt gesehen. Sechs Monate, sechs Jahre, 60 Jahre…. Mir fällt ein, auch meine Lebenszeit ist begrenzt! Ein tiefer Atemzug ergreift mich. Ich werde eines Tages diese Welt verlassen müssen. Durch Unfall, Krankheit oder Alter.

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