Heimkehr

Behutsam wird der Sarg in das dunkle Grab heruntergelassen. Zeit, um Abschied zu nehmen. Abschied von einem geliebten Menschen. Julia ist vor drei Tagen gestorben und wird heute beerdigt. Ich fröstele. Tränen steigen in meine Augen, sie vermischen sich auf den Wangen mit Regentropfen. Der Sarg setzt auf dem Grund des Grabes auf. Die schwarz gekleideten Sargträger legen die Seile, mit denen sie den Sarg hinabgelassen, auf den Boden. Dann ziehen sie ihre Hüte, verbeugen sich vor der Grube und treten nach einem kurzen Augenblick der Stille zurück. Sie geben damit den Blick auf eine andere Ruhestätte, die hinter ihnen liegt, frei. Dort ist in den schwarzen Marmor des Gedenksteins in goldenen Ziffern das Geburts- und Todesdatum gemeißelt: „15.06.1997 – 6.12.1997“. Dieses mir unbekannte Kind hatte nur wenige Monate das Licht der Welt gesehen. Sechs Monate, sechs Jahre, 60 Jahre…. Mir fällt ein, auch meine Lebenszeit ist begrenzt! Ein tiefer Atemzug ergreift mich. Ich werde eines Tages diese Welt verlassen müssen. Durch Unfall, Krankheit oder Alter.

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Stille

Wozu Stille?

Mit jedem „Like“ in den „sozialen“ Medien, mit jedem Klick Ausstoß von Glückshormonen pur. Jederzeit und überall verfügbar, 24 Stunden. Ständige Ablenkung durch Smartphones, Fernsehen und mehr. Wenn das nicht genügt, ab zum Ballermann und Party rund um die Uhr. Nicht nur in der Stadt, auch in den Wäldern – eigentlich ein Ort der Stille und Ruhe - auf dem Fahrrad: wummernde Musikboxen, kilometerweit zu hören. Parallel dazu ein nie abreißender Strom von Nachrichten, jederzeit präsent und verfügbar sein. Schneller Austausch mit Kollegen, mit Freunden. 15 Minuten nichts tun, Langeweile ertragen? Wer kann das noch? Irgendwann erschöpft, Ruhe suchen im Urlaub. Doch selbst am stillsten Ort ein unablässiger Gedanken- und Gefühlsstrom, wirklich runterkommen kaum möglich. Dauern denke ich an meinen Chef mir kommt sofort der Ärger in den Sinn. Dann wieder die Sorge um die Kinder. Klappt das endlich mit der Jobsuche? Das geht fast unaufhörlich so in einem fort. Mir ist jetzt klar, dass ich innerlich keinen Frieden habe. Sehnsucht nach meiner Heimat, nach dem was mich, was alle Menschen ausmacht. Ich bin gespannt, was diese Woche, die letzte, des Kurses über die 9 Tugenden, geleitet von Dr. Katja Held, so bei mir aufdeckt. Finde ich einen Zugang zum Frieden, zur Stille in mir? Bisher kenne ich nur Ablenkungen.

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Liebe

Oh was ein Wort, was für ein Gefühl! So vielfältig und reich, dass auch große Romane nur Aspekte ausloten können. Wir träumen davon und kommen der Liebe, nach der wir uns zutiefst in unserem Inneren sehnen, doch nicht wirklich nahe.

Vorab: Nein, es geht nicht um die kranke narzisstische Selbstliebe. So wie sie von einem bekannten mächtigen Mann in einem fernen Land gelebt wurde und wird; voller Hass und Zerstörungswut. Doch seine Zeit an der Macht als Regierungschef geht Anfang 2021 zu Ende.

Noch ein „Nein“: Es geht auch nicht um „Bauer sucht Nackedei“ oder was so alles im Trash-TV oder in den gelben Seiten der Regenbogenpresse verbreitet und konsumiert wird. Ablenkung vom Wesentlichen.

Ja, was denn dann? Wie finde ich zurück zu meiner so tiefen Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung. Nach dem, was der Konsumwahn und die ständigen Ablenkungen der Welt nicht im entferntesten bieten können. Doch wie hypnotisiert und in tiefer Trance folgen wir den Versprechungen, die am Ende der Tage, am Ende des Lebens, haltlos sind. Wie gut dressierte Hunde laufen wir den Versprechungen hinterher. Tun alles, um eine Belohnung vom Herrchen zu erhalten. Und geben uns damit zufrieden und sind glücklich. Doch bei dem, das ich meine, geht es um weit mehr.

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Demut

Was für eine Tugend! Und was für ein Kontrast zu einer Gesellschaft, die zunehmend nur noch das „Ich“ kennt, nicht mehr das „Du“.

Ein Blick zurück in der Geschichte dieses Landes. Eine ikonische Geste der Demut: Der Kniefall von Willy Brandt vor dem Denkmal des Warschauer Gettos. Jener Ort, den die Deutsche einst in eine Hölle auf Erden verwandelt hatten. Mir kommen jedes Mal Tränen der Rührung, wenn ich dieses Bild sehe. Gerade der kniet nieder, der das nicht nötig hat. Er kniet für alle, die es nötig haben, aber nicht dort knien – weil sie es nicht wagen oder nicht können oder nicht wagen können. Dann bekennt er sich zu einer Schuld, an der er selber nicht zu tragen hat. Und bittet er um eine Vergebung, derer er nicht bedarf. Soweit ein Reporter, der anwesend war. Zuhause tobte die Opposition vor Wut.

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Der tägliche Tod

Nein es geht nicht um ertrinkende Menschen im Mittelmeer. Es geht nicht um die Opfer auf den Schlachtfeldern der Neuzeit.

Was läuft falsch in der Gesellschaft? Diese Eiseskälte gegenüber den Flüchtlingen, hartherzig und ungerührt lassen wir sie in den Lagen von Europas Außengrenzen vegetieren. Parallel steigen die Rüstungsexporte und die Profite.

Profit, darum wird wie um das goldene Kalb getanzt: CumEx feiert fröhliche Urstände, befeuert von Finanzministern und teuren Finanzberatern – Freshfields, eine vom Namen her renommierte international agierende Wirtschaftskanzlei; im Schulterschluss der BlackRocks. Sensationelle Ergebnisse: Nicht gezahlte Steuer, die wird rückerstattet – obwohl doch nicht etwas rückerstattet werden kann, was nie gezahlt wurde. Das muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen. Und dann noch schnell gesetzlich regeln, dass das alles schnell verjährt die Gelder nicht zurückgezahlt werden müssen. Gelder die gut in dem Gesundheitswesen, der Bildung oder in der Infrastruktur sinnvoll investiert gewesen wären. Wieder Profite zu Lasten der Schwachen. Und die Politiker, die agieren eher zu ihrem eigenen Wohl, gekauft von Lobbyisten. Nur einige Beispiele: Der Verschleuderung von Millionen beim Mautdebakel, Konzernwohl vor Tier- und Menschenwohl. Bundeswehr und Beraterverträge ohne Kontrolle. Konsequenzen haben diese Politiker nicht zu fürchten. Schlimmstenfalls werden sie nach Brüssel abgeschoben, in hochdotiere Posten. So wird die Gesellschaft von innen heraus zerfressen. Mein Wohl geht über das Gemeinwohl. Warum wohl ist Deutschland ein Geldwäscheparadies? Whirecard und die Clankriminellen lassen grüßen. Wieso gehen unsere Politiker dieses Thema nicht konsequent an? Es geht, das zeigt Italien, indem es die „Vermögen“ der Maffia vorgeht.

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