Die Kinder von Moria! An die Christen, nicht nur in unseren Parlamenten!

Es lohnt sich, die Bibel als eine der großen Weisheitsbücher zu lesen und gegen sich selbst wirken zu lassen und zu handeln.

„Glaube ohne Werke ist tot!“  Eine starke Aussage von Jakobus. Sie steht im Gegensatz zu dem Ausruf der Reformation, im Gegensatz zum Ausruf von Paulus und Luther: Allein aus Glaube. Du wirst gerecht, allein weil du glaubst. Dazu noch die Frage, was ist Gerechtigkeit?

Diese Frage ist heute mindestens genauso aktuell wie vor über 2000 Jahren!!

Gerechtigkeit: Mord: Lebenslänglich, Betrug 2 Jahre, und so weiter. Doch hier geht es um etwas anderes. Es geht um die Frage: Wie erlange ich Gerechtigkeit? Wie komme ich in einen Status, der mir ewiges Leben bringt, der mich vor Gott als rein, als gerecht dar stehen lässt.  Gerade im gesamtbiblischen Bild ist diese Frage wichtig: Die Frage nach dem Heil. Und: Wo werde ich die Ewigkeit verbringen?

Welche Rolle spielt unser Tun, wenn es um die Rettung geht? Es geht um die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Wie werde ich gerettet? Was ist es, was ich tun, lassen, glauben, bekennen muss, um das Ewige Leben zu haben? Und: Was ist eigentlich Glaube für uns, die von der Reformation Luthers geprägt sind. Da heißt es doch, dass es allein die Gnade Gottes ist, die rettet?

Um das Anliegen von Jakobus zu verstehen, eine Zeitreise in das 1. Jahrhundert.  Das junge Christentum hatte als eine innerjüdische Bewegung begonnen. Jesus war Jude, die Jünger waren Juden. So breitete sich die gute Nachricht von Jesus vor allem unter Juden aus. Die Israeliten verstanden sich immer noch als Gottes Volk, und so war auch für die ersten Christen klar, dass Jesus vor allem für dieses Gottesvolk gestorben war. Nur ganz vereinzelt gab es einige Heiden die zum Glauben kamen. Aber dann greift Gott ein. Mit dem Hauptmann Kornelius und seinem Hausstand kommt ein Heide zum Glauben an Jesus. Dass vor den Augen von Petrus, dem Leiter der Gemeinde.

Dann beruft Gott auch noch Saulus, einen glühenden Christenhasser, der zu Paulus wird. Der sieht seinen Auftrag klar darin, den Nichtjuden zu predigen und ihnen zu sagen, dass auch sie gerettet werden können. Paulus stürzt sich mit Feuereifer in seine Aufgabe. Das Christentum tritt seinen Siegeszug an.

Paulus legt in seiner Verkündigung immer wieder besonderen Wert auf das Handeln Gottes. Er ist es, der Menschen zum Glauben ruft, Er ist es, der alles getan hat. Gnade nennt Paulus das. Kostenlose, unverdiente Gnade. Der Mensch kann nichts zu seinem Heil beitragen. Er muss auch nicht. Gott hat alles getan. Das einzige, dass der Mensch tun muss ist umkehren und – glauben. Und diese revolutionär neue Botschaft ist ein durchschlagender Erfolg.

Doch die Sache hat einen Haken. Denn die Botschaft, die Paulus da verkündigt, hat einen Hang dazu, falsch verstanden zu werden. Die meisten Menschen, die Paulus erreicht, waren Heiden, keine Juden. Sie waren nicht mit den Regeln und Gesetzen der Juden vertraut. Die Juden, die Paulus erreicht hat, waren immer versucht, in die „Werke des Gesetzes“ zurückzufallen, wie Paulus es nennt. Sie konnten es von ihrer Prägung her nicht verstehen, dass sie wirklich gar nichts tun müssen um gerettet zu werden. Das widersprach allem, was sie bisher gelernt hatten. Sie wollten an ihrer Erlösung mitarbeiten. Die Heiden ohne jüdischen Hintergrund konnten das nicht verstehen Die Freiheit, die Christus bietet – Freiheit vom Gesetz, von Zwängen, von Leistungsdruck – war augenscheinlich zu viel Freiheit für viele. Denn sie verstanden die Freiheit in Christus falsch. Ein Beispiel: Wenn ich glaube, bin ich gerettet. Denn Gott hat alles getan. Also spielt es keine Rolle, wie ich lebe. Ich kann tun und lassen was ich will, denn Gottes Gnade ist stärker als jede Schuld.

Das geht zu weit. Um diese Entwicklung zu bremsen, um diesem gottlosen Verhalten Einhalt zu bieten, um dieser gefährlichen Entwicklung gegenzusteuern, schreibt Jakobus seinen Brief. Was ist Glaube? Kann Glaube – allein – retten, wie Paulus und Luther es betont haben? Vers 24 spricht hier ein vernichtendes Urteil: „Ihr seht also, dass der Glaube allein nicht genügt“. Dieser Vers ist der vielleicht unbeliebteste der evangelischen Christenheit. Er scheint die ganze Lehre vom Heil kaputt zu machen.

Zwei wesentliche Aspekte: Der erste ist der falsch verstandene Glaube von Paulus. Gegen diesen wendet sich Jakobus hauptsächlich. Diesen Glauben könnte man mit „für-wahr-halten“ übersetzen. Dieser Glaube ist zu wenig um gerettet zu werden. Wenn ich also glaube, dass Jesus Gottes Sohn ist, wenn ich für wahr halte, das Jesus Gottes Sohn ist, dann reicht das nicht aus um gerettet zu werden.

Das klingt hart, aber Jakobus macht in Vers 19 sehr deutlich: auch der Teufel, der Jesus hasst, glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist. Jeder Dämon glaubt, dass Jesus Gottes Sohn ist. Darum ist dieser Glaube nicht genug. Darum wird der Teufel nicht im Himmel dabei sein! Diesem Glaubensbegriff steht jetzt das gegenüber, was Jakobus als Glauben bezeichnet.

Das Kennzeichen des Glaubens bei Jakobus ist, dass er Werke hervorbringt. Wichtig ist hier die Feststellung, dass auch bei Jakobus die Werke nie losgelöst vom Glauben stehen. Beides gehört zusammen, und der erste Teil ist immer der Glaube – aus ihm folgen dann Taten. Die Werke sind der Gradmesser dafür, ob der Glaube echter Glaube ist. Eine Begegnung mit dem Auferstandenen bringt immer ein verändertes Leben hervor. Wie können wir Glaube verstehen – Glaube ist eine Beziehungsbeschreibung.

Jesus will nicht für einen tollen Morallehrer gehalten werden – er will die Herrschaft über mein Leben. Er will, dass ich umkehre, Buße tue, und ihm die Herrschaft über mein Leben gebe. Die Herrschaft betrifft jeden Bereich meines Lebens: Meinen Umgang mit Geld, Sexualität, Beziehungen, Zeit und so weiter. Wenn ich Jesus die Herrschaft über mein Leben übergebe, dann verändern sich meine Einstellungen zu diesen Themen, ebenso mein Verhalten.

Ist ein Glaube, der keine Werke hervorbringt, überhaupt Glaube in biblischem Sinne? Jakobus Vers 26 ist deutlich: „Genauso nämlich, wie der Körper ohne den Geist ein toter Körper ist, ist auch der Glaube ohne Taten ein toter Glaube.“ Die entscheidende Frage: Deckt sich meine Definition von Glauben, als Beziehungsbeschreibung, als Herrschaftsübergang, decket sie sich mit dem Glaubensverständnis von Jakobus?

Ich denke und hoffe, dass wir uns bei elementaren Sorgen und Problemen nicht nur mit frommen Sprüchen und Gebet helfen, sondern auch ganz praktisch aktiv werden. Das wären Taten im Sinne von Jesus.

Wenn es in meinem Leben Bereiche gibt, die nicht mit den Wünschen Jesu übereinzubringen sind, ist das nicht ein Zeichen dafür, dass mein Glaube tot ist. Perfektion wird es erst im Himmel geben. Bis dahin bleiben wir auf die Vergebung Jesu angewiesen und sollten immer wieder danach streben, ihm ähnlicher zu werden.

Dieses Streben ist es, was unseren Glauben als lebendig ausweist. Kein Mensch kann den Glauben eines anderen an dessen Werken beurteilen. Richten wird Gott.

Trotzdem dürfen wir uns gerne selbst hinterfragen, wie es gerade in unserem Leben mit Werken aussieht – sie sind nämlich schon ein Gradmesser im Bezug darauf, wie es gerade um unsere Beziehung zu Jesus bestellt ist.

Brenne ich noch für Jesus?

Gerechtigkeit heute. Das Fundament des Wohlstandes der westlichen Gesellschaft ruht, vor Jahrhunderten begonnen und immer gewalttätiger manifestiert, in der Ausbeutung ganzer Länder, ja ganzer Kontinente. Was zeigt ein Blick in die Welt? Kriege aus Machtstreben geboren, Kampf um Rohstoffe. Hass, Mordanschläge und Gewalt in allen Formen. Ein Blick alleine in Kinderaugen heute: Wir begegnen Kindern, deren Augen schon ihren Glanz verloren haben durch das Leid, dass ihnen viel zu früh zugefügt wurde. Kindern in Kriegsgebieten, orientierungslos, früh verwaist und verschreckt. Kindern, die als Soldaten oder billige Arbeitskräfte missbraucht werden; ihrer Kindheit beraubt. Kindern, die für die verirrten Triebe von Erwachsenen herhalten müssen und ihr Leben lang davon gezeichnet sind. Kindern, die auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken, Kindern in Flüchtlingslagern in menschenunwürdigen Zuständen hausen; ohne Perspektive. Es gibt dort schon Selbstmode von Kindern.

Wie beruhigen wir bei diesem Blick in die Welt unser Gewissen? Das Gewissen ist eine instabile Instanz, dass unseren Selbstwert stabilisiert.

Ein kleines Beispiel: Eine Begebenheit vor dem Lockdown auf dem Heimweg; Feierabend: Das „Rot“ der Fußgängerampel leuchtet hell – abrupter Stopp. Doch meine Bahn fährt gleich. Ein schneller Blick: Keine Kinder, dann doch in einer Verkehrslücke schnell über die Straße hasten. Gut, keine Kinder, das beruhigt das Gewissen. So gesehen ist das Gewissen keine stabile Instanz. Nur unser Selbstwert wird stabilisiert. An selbst gesetzten und situativ veränderbaren Maßstäben.

Wie beruhigen wir unser Gewissen bei Blick in diese Welt, beim Blick in die Kinderaugen in den Lagern, und in die Augen der Kinder, die in den Kobaldminen, die dort für unsere E-Mobilität schuften? Nochmals, das Gewissen ist keine stabile Instanz. Es steht zwischen den Polen von Angst und Liebe. Da gibt es in jeder Richtung etliche Schichten, die uns von diesen Polen fern halten aus Schutz von uns selbst. Früh erlernt und manifestiert.

Doch Jesus hat diese Welt überwunden, die Angst überwunden. Jesus ist der Pol der Liebe. Brennen wir noch in Nachfolge, wie sehr berührt uns das Ostergeschehen im Herzen? Folgen aus unserem Glauben auch Taten, geboren aus Liebe? Oder lähmt uns Angst, verdeckt hinter Schichten unserer eigenen Geschichte?

Ein Warnhinweis an dieser Stelle von Paulus: Der Sünde Sold ist der Tod.

Der Sünder handelt gegen die Liebe, das ist das eigentlich schlimme. Die Sünde zeigt; dass der Mensch von Gott entfremdet ist. Schon archaische Völker im alten Orient wussten, dass es besonders schwerwiegende Verfehlungen gab, mit denen sich der Mensch von seinem göttlichen Ursprung trennt.

Heute ein kurzer Exkurs zu einer der Todsünden. Zu der Sünde der Trägheit des Herzens: Die Trägheit nistet sich heute vor allem dort ein, wo sich der Rückzug aus der Verantwortung für den Nächsten als vorgeblich rationale Haltung, als Nichteinmischung tarnt. Trägheit ist heute vor allem Gleichgültigkeit. Sie zeigt sich im willentlichen Ignorieren fremder Schicksale. Sie ist die bequeme Neutralität, die uns nahelegt, uns rauszuhalten. Für die in bitterer Not in den Flüchtlingslagern an den Grenzen Europas hausenden Menschen, für die Kinder und die Frauen, was tun wir?

Die Trägheit des Herzens – lassen wir uns noch berühren, von dem Leid in der Welt, der Not unseres Nächsten? Welche Rolle spielt unser Tun, wenn es um die Rettung geht? Es geht um die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.

Wie werde ich gerettet? Was ist es, was ich tun, lassen, glauben, bekennen muss, um das Ewige Leben zu haben?

Kein Mensch kann den Glauben eines anderen an dessen Werken beurteilen. Richten wird Gott.

Trotzdem dürfen wir uns gerne selbst hinterfragen, wie es gerade in unserem Leben mit Werken aussieht.

 

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Rüdiger Schaller 09.08.2020

Autor des Buches "In die Stille"

 

 

 

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