Das erste Mal – auch ein Appell!

Das erste Mal: Nein, nicht der Beginn einer besonderen Beziehung, wie in einem andern Blogeintrag beschrieben.

Ganz anderes – ja, heute Morgen habe ich mich auf die Piste gewagt. Vier Wochen nach der dritten Augen-OP. Frühmorgens leichtes Antraben über 5 km. Auch hier wieder fast ungläubiges Staunen. Keine Laufbrille die vom Regen nass wird, kein Beschlagen mehr. Und selbst im nicht beleuchteten kleinen Grünstreifen sicheres Laufen, die Unebenheiten um Halbdunkel sehen: Das befreit. Ein Geschenk, so empfinde ich. Ein schleichender, kaum merklicher Verlust des Sehens. Über Jahre. Doch nun die Welt neu entdecken, sie ist so schön! Im Rückblick: In den letzten 15 Jahren, da gab es insgesamt doch schon viel Mal „das erste Mal“. Ich bin dankbar, alle ganz unterschiedlichen Operationen verliefen sehr gut. Ich konnte danach jedesmal wieder durchstarten mit meinem geliebten meditativen Ausdauerlaufen. Es ist schon bedenkenswert, was die Medizin in unserem Lande heutzutage alles leisten kann. Traurig werde ich, wenn ich sehe, wie viele Menschen – ob auf der Flucht von durch den vom Westen angezettelten Kriegen oder in verarmten, ausgebeuteten Regionen dieser Welt – keinen Zugang zu diesen Ressourcen haben. Unser Wohlstand beruht auf dem Leid zu vieler Menschen – doch Halt: Es ist genug für alle Menschen auf dieser Welt da. Das Dilemma: Alles ist so extrem und zunehmend ungleich verteilt. Schier unermesslicher Reichtum und Überfluss weniger Menschen steht diametral Not und Elend, gepaart mit Hoffnungslosigkeit, von so vielen Menschen gegenüber. Die BlackRocks der Welt als heimlich unheimliche Handlanger der Mächtigen, der selbsternannten Eliten. Mehr dazu:

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Ich tauche auf aus meinen Gedanken. Gleich bin in Zuhause. Die warme Dusche wartet. Während das warme Wasser über meinen Kopf und Körper rinn, steigen in mir nochmals Erinnerungen an die Augen-OP´s auf. Professionelles Handeln, gepaart mit hoher Empathie bei allen Ärzten/innen und dem ganzen Team der Praxis in Biebrich. Dankbar bin ich und glücklich.

Das führt mich zu weiteren Reflexionen über mein Handeln in dieser Welt. Kein Auflisten aller ehrenamtlichen Tätigkeiten. Es ist eher die Frage, was ich noch sinnvoll tun kann. Handeln jenseits der Trägheit des Herzens. Diese Art von Trägheit nistet sich heute vor allem dort ein, wo sich der Rückzug aus der Verantwortung für den Nächsten als vorgeblich rationale Handlung, als Nichteinmischung tarnt. Trägheit des Herzens ist heute vor allem Gleichgültigkeit. Sie zeigt sich im willentlichen Ignorieren fremder Schicksale. Sie ist die bequeme Neutralität, die uns nahelegt, uns rauszuhalten. Nur ein Beispiel, eine Frage: Für die in bitterer Not in den Flüchtlingslagern an den Grenzen Europas hausenden Menschen, für die Kinder und die Frauen, was tun wir? Ja es gibt Menschen, die sich einbringen. Sie sind wie Leuchttüre in dunklen Zeiten. Die es auch heute gibt. Nur ein Beispiel für viele: Alea Horst und ihr Engagement in Moria. Es gibt viel zu tun.

 

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Rüdiger Schaller 07.10.2020

Autor des Buches "In die Stille"

 

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