Lasst sie Alle ertrinken! Mir stockt der Atem, was für eine Aussage….

Egal, ob Kinder, Frauen oder Männer – alles Wirtschaftsflüchtlinge, fährt mein Gesprächspartner fort. Ich bin wie erstarrt, ohne wirklich argumentieren zu können. Ich kann nur in die Flamme der Kerze schauen, die auf dem Tisch im Weinlokal steht. Zittrig ist sie, sie flackert unruhig. Die Worte sind hart und unnachgiebig. Wie auf einen Schlag ist der Mann der mir am Tisch in dem Weinlokal gegenübersitzt, in dem wir uns zufällig getroffen hatten, völlig in die Verhärtung gegangen. Der Zufall hatte uns zusammengeführt. Kaum Platz in dem gut besuchten Lokal. Wir kamen ins Gespräch und hatten einen wunderbaren Austausch. Ja die ganzen Ursachen über Leid, Not und Elend in der Welt – da war ein tiefer Gleichklang. Ob wir über die die Kriegstreiber der freien und vorgeblich so friedensliebenden westlichen Welt sprachen – der es im Grunde nur um Rohstoffe geht und den eigenen Profit zu Lasten der Armen dieser Welt. Oder ob wir über die ausgebeutete Ländern zur Mehrung des Reichtums von maximal 1% der Weltbevölkerung sprachen.

Über etliche Stellschrauben sprachen wir. Nur ein paar kurze Erinnerungen: Lokale Märkte werden zerstört, aktuell von exportierter Milch aus Bayern, Altkleider aus Sammlungen zerstören die eingesessene Kleidungsindustrie, unser Plastikmüll wird exportiert, Kinder darben in Kobaldminen um unsere Elektromobilität voranzubringen. Kriege werden befeuert, schlimmste Menschenrechtsverletzungen werden tagtäglich begangen, auch von Drohnen, die aus Deutschland gesteuert werden. Völkerrechtsverletzung des Westens: Alles gut! Kein Aufschrei.

Weiter ging unser Gespräch, über die interessengelenkte, sogenannte Qualitätspresse. Transatlantisch wird abgestimmt was berichtet wird. Und was nicht. Putins prügelnden Polizisten: Das kommt sofort tagelang in die Presse. Marcons Schlägertruppen – kein Wort. Amerikanische Drohnen zerfetzen Zivilisten, Kinder und Frauen. Kein Wort. Weiter ging der Ritt durchs Weltgeschehen. Unsere Vorzeigepolitiker: die dürfen unsere Steuerkassen wie der Herr Scheuer ungestraft plündern. Auch Beweismittel vernichten – Löschung von Handydaten: Ohne Konsequenzen. Dann die immer größer werdende Spaltung der Gesellschaft in Arme und wenige Reiche wurde thematisiert. Gewinnoptimierung im Gesundheitswesen anstelle des Blicks auf die Kranken. Kinderkliniken müssen schwerkranke Kinder abweisen aber Knie und Hüftoperationen, die bringen Geld. Wobei viele Hüftoperationen nicht nötige wären – aber der Rubel rollt. Und auch das Thema Bonpflicht hatte wir kurz gestreift. Unter dem Vorwand, es würden Milliarden Steuern ansonsten hinterzogen. Doch die Schlupflöcher in Panama und wo anders, die bleiben für die Kumpanen der Herrschenden Scheunentor weit offen. Alles nur ein paar Beispiele.

Es war ein anregender Austausch. Bis, ja bis ich das Kirchenschiff der EKD und deren Ansatz zur Rettung Ertrinkender erwähnte. Schlagartig die Verhärtung meines Gesprächspartners. Ich hörte wie durch einen Nebel nur Fragmente: „Das sind doch die Reichen, die fliehen. Die, die es sich leisten können. Die spekulieren doch darauf, dass sie gerettet werden. Der Prozentsatz der Ertrinkenden ist doch verschwindend gering – das kalkulieren die doch mit ein…..“ Meine Worte zu Pflicht, Menschenleben aus Gefahr zu retten, ebenso Kinder und ihre Familien in den abartigen Lagerbedingungen in Syrien und auch in Griechenland zu helfen, prallen auf Beton.

Ich beendete das Gespräch irgendwie. Wir gingen dann unsere Wege. Ich war ratlos. Das alles arbeitete in mir weiter. Bis mir die Idee kam, alles mal gegen mich zu denken; ganz radikal. Hier in Deutschland bricht die ganze Ordnung zusammen. Marodierende Banden ziehen durchs Land. Vergewaltigen Frauen vor den Augen ihrer Ehemänner, verstümmeln die Kinder oder verschleppen sie. Kaum Möglichkeiten, dem ganzen Wahnsinn zu entfliehen. Doch gegen gutes Geld, da gäbe es ein paar wenige, aber gefährliche Möglichkeiten. Und am Ende gäbe es da ja Menschen, die mit hohem persönlichen Einsatz Menschenleben retten. Das wäre ein Ausweg, da gäbe es Rettung. Das könnten aber nur die Wohlhabenden, die Reichen machen. Die Ärmeren, die Schwachen, die hätten keine Chance………..

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